Einfach objektiv sein.

Sucht und findet die Perlen der Natur – unter Wasser und an Land: Gunnar Förg, Fürther Fisch- und Vogelexperte seit 50 Jahren. ©Stadt Fürth
Naturverbunden

Fast täglich ist er mit seinem beeindruckenden Teleobjektiv unterwegs, um Eisvögel, Bachneunaugen oder auch Rehfamilien zu beobachten: Gunnar Förg kennt jeden Winkel Natur in Fürth, nachdem er sich lange Jahre auch als Taucher und Filmer einen Namen gemacht hatte. An drei besonderen Orten zeigt er uns die Schönheit der Naturräume direkt in der Stadt.

Gunnar Förg auf Erkundungstour am Quellensteg in der Fürther Uferstadt. © Stadt Fürth

Wir sind hier in der Fürther Uferstadt, und wie auf Bestellung ist vor fünf Minuten ein Eisvogel durchs Bild geflogen. Ein Zeichen für sauberes Wasser?

Eher für relativ ungestörte Natur. Und da hat die Renaturierung der Pegnitz sehr viel gebracht – das ist eine Perle bei uns in Fürth. Der Eisvogel braucht Steilufer, damit er Brutröhren anlegen kann. Und er braucht Refugien, wo man ihn nicht stört. Seit wir das alles wieder haben, gibt es ihn auch wieder bei uns.

Wobei der Eisvogel ja nicht nur Ruhe braucht, sondern auch Nahrung.

Absolut. Die Pegnitz ist schon auch sauberer geworden. Wir haben hier wieder seltene Libellen und wir haben Fische von Aal bis Zander. Sogar Bachneunaugen und Stichlinge. Wobei wir wachsam bleiben müssen. Wie überall sind auch bei uns viele Arten gefährdet.

Ein Eisvogel vor der Linse. © Gunnar Förg
Am Friedhofsteg fließt die Pegnitz nur scheinbar ruhig dahin. © Stadt Fürth

Wir sind mittlerweile ein Stück weitergezogen und schauen uns am Fürther Friedhofsteg um. Erzähl uns doch mal von einem ganz besonderen Tauchgang, den du hier erlebt hast.

Ja, ich habe hier mal unseren Oberbürgermeister Dr. Jung mitgenommen, der unsere heimischen Gewässer erkunden wollte.

Gunnar Förg und Oberbürgermeister Dr. Jung auf Tauchgang in der Pegnitz. © Stadt Fürth

Was ja in der ruhig dahinströmenden Pegnitz nicht so dramatisch sein kann.

Obacht. Typischer Anfängerfehler. Der Fluss ist hier nur 1,70 Meter tief, aber er hat einen ganz schönen Sog. Also habe ich unseren OB vorher gefragt: „Wollen wir das nicht erstmal kurz üben?“ Und er: „Nein, nein, ich hab’ schon einen Schnuppertauchgang gemacht.“ Und ich hab’ zu ihm gesagt: „Da bin ich ja schwer beeindruckt, dann ziehen Sie sich mal an.“

Und die Pressefotografen lagen schon auf der Lauer?

Klar. Wir sind im Blitzlichtgewitter ins Wasser gegangen, und ich hab’ zu ihm gesagt, er soll sich an meinem Gurtzeug festhalten. Aber in der Aufregung hat er meine Atemregler erwischt, und ich habe mehr Wasser geschluckt als Luft gekriegt. Und dann hat er tief Luft geholt und ist praktisch zum Ballon geworden. Was man beim ersten Mal halt so macht. Also hab’ ich zu meiner Frau gesagt: „Hol mal Blei, der geht nicht unter.“ Am Ende hatten wir dann doch noch einen wunderschönen Tauchgang, bei dem der OB auch etwas gesehen hat.

An Süßwasserschwämmen lässt sich die gute Wasserqualität der Fürther Gewässer ablesen. © Stadt Fürth

Was denn?

Zum Beispiel Süßwasserschwämme. Die sind ein verlässlicher Bioindikator und haben uns gezeigt, dass das Wasser relativ gut ist. Das hat dem Dr. Jung bestätigt, dass es gut angelegtes Geld ist, wenn die Stadt in die Flusstäler investiert.

Von der Siebenbogenbrücke hat Gunnar Förg eine Rehfamilie im Blick. © Stadt Fürth

Mittlerweile stehen wir auf der Siebenbogenbrücke am Fassungsbereich 1 – also dem Bereich, den die Rednitz bei Hochwasser überfluten darf. Könnte man nicht einfach Dämme bauen und den Platz für Wohnungsbau nutzen?

Nein. Der einzige wirksame Schutz gegen Überschwemmungen ist, wenn ein Fluss sich ausbreiten darf. Deshalb ist das hier ein Segen für die Stadt und die Menschen. Und wir brauchen solche Räume auch als Naturrefugium. Schaut mal, da drüben, die Rehfamilie. Die wissen genau, hier radeln viele Leute durch, aber die bleiben vor dem Zaun, und dahinter ist Ruhe.

Empfindest du Fürth als eine grüne Stadt?

Objektiv gesehen ja. Aber der Flächenfraß macht auch vor Fürth nicht halt. Natürlich brauchen wir Gewerbeflächen, wir brauchen Wohnungsbau, aber wir brauchen auch Natur.

Was würdest du als Naturforscher dir von der Stadt wünschen?

Weniger Kanus und Schlauchboote auf den Fürther Flüssen. Vor allem, wenn ein Event draus gemacht wird. Wenn ich Boot fahre, brauch ich doch keinen Ghettoblaster. Jetzt wollen manche das noch ausweiten – und wenn das abgewendet werden könnte, würde ein Herzenswunsch von mir in Erfüllung gehen.

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Zur Person
Gunnar Förg

Gunnar Förg ist Taucher, Naturforscher, Fotograf, Buchautor und Verfasser von Filmbeiträgen. Obwohl er spektakuläre Reportagen aus verschiedenen Kontinenten und Ozeanen publizierte, zog es den gelernten Maschinenschlosser immer wieder zurück in seine Heimatstadt Fürth. Hier wurde er auch mit dem Umwelt- und Naturschutzpreis 1995/96 ausgezeichnet. Nach wie vor engagiert er sich für Flora und Fauna – unter anderem als ehrenamtlicher Autor für die Fürther Stadtzeitung.